50 Jahre Prinzengarde Euskirchen

von Karl Heinz Oepen

25. Februar 1988. Die Prinzengarde hatte Geburtstag. Sie wurde an diesem Tag 50 Jahre alt und feierte ihr goldenes Jubiläum. Es war kein Betriebsjubiläum im üblichen Sinne, nein, es war der Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Geschichte des Euskirchener Karnevals.

  • geprägt von den politischen Ereignissen unterschiedlicher Gesellschaftssysteme.
  • gezeichnet von den Folgen zweier Weltkriege, aber dennoch
  • getragen von dem herzlichen Bemühen zweier Generationen, unsere schöne Fastnacht nicht

untergehen zu lassen.

1938, auf den Tag genau vor 50 Jahren, wurde die Prinzengarde als erste „autonome“ Karnevalsgesellschaft nach 1914 gegründet mit dem Ziel, künftig in Euskirchen wieder in jeder Session einen Prinzen Karneval zu stellen, diesen Prinzen bei allen seinen Besuchen, Empfängen, Bällen, Sitzungen und Umzügen zu begleiten.

Und diese Aufgabe war 1938 neu im Euskirchener Karneval und sicherlich ein weitgestecktes Ziel, mit dem die damalige NS-Obrigkeit nicht so ohne weiteres einverstanden war. Ihr wäre es ohne Zweifel lieber gewesen, der Karneval wäre – auch schon aus propagandistischen Gründen – eine Organisation der KdF geworden. Aber man hatte Glück, die Prinzengarde wurde weder eingegliedert, noch untergeordnet. Einer der wenigen Glücksfälle von damals?

Der Auftrag, alljährlich einen Prinzen zu stellen, galt natürlich nur solange, wie die Prinzengarde einzige Karnevalsgesellschaft in Euskirchen war. Nach dem Kriege, als zur Prinzengarde noch die Narrenzunft, die KG Alt Oeskerche und die KG Erfttal hinzukamen, einigte man sich auf einen Vierjahresturnus, nicht zuletzt auch aus Kostengründen. Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, in welch kritischer Situation sich unser Euskirchener Karneval anfangs der 30er Jahre befand:

  • Keine der vielen Karnevalsgesellschaften der Jahrhundertwende hatte den ersten Weltkrieg überlebt.
  • Die französische Besatzung von 1918-1929 (11 lange Jahre) ließ weder Gesellschaftsgründungen, noch karnevalistische Veranstaltungen im heutigen Sinne zu.
  • Der Karneval verloderte zusehends.

Erst ein von Euskirchener Kaufleute 1934 gegründeter Festausschuß Euskirchener Karneval brachte wieder Ordnung in das karnevalistische Geschehen unserer Vaterstadt.

Von nun an war Schluss mit den wilden und unkontrollierten Umzügen durch die Stadt. Von nun war Schluss mit den Randalierereien und Rüpeleien während der drei tollen Tage. Von nun an gab es alljährlich wieder einen geordneten Rosenmontagszug mit Anmeldung und Kontrolle. Von nun an gab es auch alljährlich wieder einen Prinzen Karneval, wenn man von dem einmaligen Dreigestirn im Jahre 1934 absieht.

Freiwillig rekrutierten sich aus Mitgliedern der Turnvereine ETV und ATV zwei Stadtsoldatengruppen, die auch die Begleitung des Prinzen bei Umzügen übernahmen. Man muß sie als Vorläufer einer Prinzengarde ansehen. Sie hatten ähnliche, wenn auch begrenztere Aufgaben.

1938 übernahm dann die neugegründete Prinzengarde unter Präsident Michael Wichterich alle Aufgaben der Prinzenbegleitung. Und so ist es bis zum heutigen Tage geblieben.

Die Prinzengarde ist dem Wunsch und Auftrag ihrer Gründer von 1938 in den vergangenen 50 Jahren zuverlässig treu geblieben. 40 Prinzen hat sie inzwischen vom ersten bis zum letzten Augenblick ihrer Session geführt und begleitet und geholfen, ihr Prinzenamt mit Stolz und Freude zu tragen.

An dieser Stelle darf erwähnt werden, dass in einem von der Prinzengarde ausgeschriebenen Wettbewerb um ein neues Heimatlied Werner Kirfel (1939 Prinz Karneval) und Matthias Honnef mit ihrem Lied „Oeskerche, Oeskerche,…“ Wettbewerbssieger wurden.

Nach dem zweiten Weltkrieg dauerte es aber noch bis zum Oktober 1953, ehe sich Prinzengardisten wieder zusammensetzten, um die alte Garde mit neuem Leben zu erfüllen. Die Garde hatte buchstäblich alles verloren. Und was durch Kriegseinwirkung nicht zerstört wurde, fand als Sammelobjekt Interesse in Übersee. Doch es gelang mit viel Mühe, Geld und Einsatz aller Kräfte, die Garde wieder auf die Beine zu stellen und aktionsfähig zu machen. 1954 war sie schon wieder dabei. Und es ging aufwärts. Die Mitgliederzahlen stiegen von Jahr zu Jahr, die Korps wurden größer und ansehnlicher und die Garde erwarb sich Freunde in Bevölkerung, Rat und Verwaltung.

In gleicher Weise wuchsen aber auch die Kontakte zu den Vereinen und Gesellschaften innerhalb und außerhalb der Stadt. Besuche bei Kölner Gesellschaften, Fremdensitzungen und Proklamationen in Bonn, Düren, Neuwied, St. Vieth, Charleville, Trier, Zülpich, Münstereifel, Rheinbach, Reifferscheid, Waldbröhl und vielen anderen Orten gehören ebenso zum Programm der Prinzengarde, wie die Pflege der Geselligkeit in den eigenen Reihen. Viele kleine und größere Feste geben hiervon Zeugnis.

All die vielen kleinen Geschehnisse und großen Ereignisse aufzuzählen und zu werten, ist Aufgabe der Chronik, die die Prinzengarde zum Jubiläum herausgegeben hat.

50 Jahre Prinzengarde, das sind 50 Jahre einer bewegten Geschichte, mit vielen Tiefs und Hochs, mit Freude und Enttäuschungen, mit Erfolg und Niederlagen, aber immer mit dem herzlichen Bemühen, „osere schöne Fastelovend en Oeskerche net ongerjohn zo loße. On su soll et och blieve.“ Mit diesen Worten teilte uns unser damaliger Literat Karl Heinz Oepen im Jubiläumsjahr 1988 die ersten 50 Jahre unserer Vereinsgeschichte mit.

Heute schreiben wir das Jahr 2012, ein Jahr vor unserem Jubiläum „75 Jahre Prinzengarde Euskirchen 1938 e.V.“ und viele Ereignisse in den letzten Jahren sind seitdem geschehen.

Doch auch die Prinzengarde hat sich bewegt und ist heute ein erfolgreiches Traditionscorps welches aus dem Euskirchener Karneval nicht mehr weg zu denken ist.

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